Doping in der DDR
Sport und Körperkultur standen in der sozialistischen Erziehung neben der geistigen Bildung an erster Stelle.
Neben dem sogenannten Breitensport wurden fähige und talentierte Sportler und Sportlerinnen bis zur Perfektion trainiert. Sie waren weniger nur wegen ihrer herausragenden sportlichen Leistungen gefeiert, mehr als Aushängeschild für die sozialistische Erziehung und die Fähigkeiten des sozialistischen Staates der Arbeiter und Bauern.
Sportler und Sportlerinnen stammten aus allen Schichten des Volkes.
Bereits in der schulischen Erziehung und im Kindergartenalter wurde auf besondere Talente und Fähigkeiten geachtet. Bei Vorhandensein spezieller herausragender Qualitäten erfolgte eine Ausbildung und ein intensives Training in Sportzentren und an Hochschulen und Universitäten.
Viele bekannte Spitzensportler sind auf diese Art und Weise zu großen Leistungen gebracht worden, wobei die körperlichen Grenzen bis zu einem weiten Grad überschritten worden sind.
Dies war nur möglich unter breitem Einsatz von Dopingmitteln in fast allen Sportrichtungen.
Leistungssportlern wurden unter ärztlicher Kontrolle und wissenschaftlicher Beobachtung Dopingmittel verabreicht, um eine enrome Leistungssteigerung zu erzielen.
Da die Sportler in speziellen Sportstätten trainiert wurden, dort gleichzeitg ihren Schulabschluss machen konnten und weitgehend in Internaten untergebracht worden sind, konnten über das allgegenwärtige Thema Doping nichts bekannt werden.
Erst im Laufe der Jahre nach dem Mauerfall und den auftretenden Dopingspätfolgen wurden zuverlässige Details aufgedeckt.
Im Mittelpunkt der Dopinggabe standen Anabolika wie das damals vorwiegend eingesetzte Oral Turinabol.
Hierbei handelt es sich um Anabolika, die dem Körper über den Mund zugeführt wird. Dieses Mittel war in der DDR frei verfügbar, da es aus der volkseigenen Arzneimittelforschung und -herstellung stammt.
Die Verabreichung erfolgte in erster Linie ohne Wissen der Sportler, meist als dosierte Beigabe zu Nahrungsmitteln. Da dies Substanz jedoch rezeptpflichtig war, wird in diesem Zusammenhang die Mitwirkung der Sportmedinziner deutlich. Sie stellten die benötigten Repte aus und waren über den Zweck der unterschiedlichen Tabletten informiert.
Nach dem Mauerfall und dem damit möglichen offenen Umgang mit dem Thema Doping kamen erschütternde Tatsachen ans Licht.
Neben mehr oder weniger starken körperlichen Spätfolgen bei den betroffenen ehemaligen Spitzensportlern waren auch Fehlgeburten und behinderter Nachwuchs die Folge.
Entsprechend verschiedener Aussagen wurde bekannt, dass schon Kindern und Jugendlichen, die aussergewöhnliche sportliche Talente besaßen, Dopingmittel verabreicht wurden. Besonders erschütternd daran ist, dass weder die Betroffenen selbst, noch die Eltern darüber Bescheid wussten.
Insbesondere im Bereich des Schwimmsportes waren gedopte Sportler durchaus nichts Seltenes. Das Ministerium für Staatssicherheit, die betreuenden Mediziner und Trainer wussten um die Dopingmittelgabe und die Folgewirkungen.
Veränderungen des Körpers, insbesondere von äusserlichen Geschlechtsmerkmalen bei Männern und Frauen waren oft Anlass für Verdachtsäußerungen. Die betroffenen Frauen, insbesondere Schwimmerinnen und Dreikampfsportlerinnen, wurden von einem weitgehend männlichen Aussehen geprägt. Neben der Veränderung der Stimme wurde ein verzögerte Geschlechtsreife und eine vermehrte Ausbildung männlicher Hormone als Nebenwirkung bekannt. Dies war auch für die betroffenen Sportler selbst eine frustrierende Situation.
Ein trauriges Beispiel, welches belegt, unter welchem Missbrauch die Spitzensportler zu leiden hatten, war die Kugelstoßerin Birgit Böse. Sie gab offen zu, dass bei einer gynäkologischen Untersuchung festgestellt wurde, dass ihre Geschlechtsorgane denen einer Elfjährigen glichen. Daher ergab sich eine Unfruchtbarkeit und bis heute Kinderlosigkeit.
Die gedopten Sportler sollten nicht nur zur Weltelite gebracht werden, auch Forschungen im Zusammenhang mit unterschiedlichen Anabolika waren Ziel der DDR Medizin im Bereich des Leistungssportes. So wurden wissenschftliche Unterlagen erstellt, in denen genau ersichtlich ist, wie einzelne Anabolika wirken und welche Nebenerscheinungen auftreten. Bei den Sportlern und Sportlerinnen handelte es sich in diesem Sinne um Versuchskaninichen.
In der DDR ein privates Doping durchzuführen, war nicht möglich, da der Bezug von Anabolika aus dem Ausland kaum erfolgen konnte. Im Sinne der sozialistischen Strategie wurde Doping von staatlicher Seite angeordnet und durchaus kontrolliert und forciert. Dies erfolgte insbesondere unter den Gesichtspunkten des Kalten Krieges.
Anhand verschiedener aussagekräftiger Schriftstücke, die nach dem Mauerfall an die Öffentlichkeit gelangten, wird diese Tatsache recht deutlich.
Belegen lässt sich dieser Aspekt beispielsweise durch Geschäftspapiere eines Schwimmvereins der DDR. Benannt wurde dieses Schriftstück als DDR Doping Richtlinie und hatte einen Geltungsbereich für den gesamten DDR Spitzensport.
In dem Zusammenhang mit diesem Schriftstück werden insbesondere Mitglieder des Nationalen Olympischen Kommitees belastet, vermehrt bei Ringern systematisch Dopinggaben angeordnet zu haben.

Mai 29th, 2009 um 21:10
Wenn ich diesen Artikel lese,wo schon so viel an die Öffenlichkeit geraten und somit bekannt geworden ist, dann frage ich mich: warum müssen wir Betroffenen noch mit Hilfe von Rechtsanwälten und auch ohne noch so hart um unser Recht kämpfen? Wir sind anerkannte Dopingopfer! Warum stellt sich das Gesundheitsamt bei Folgeschäden und somit Ansprüchen an dieses so doll quer und verlangt von uns ein absolutes nackisch machen? Wir können bald nicht mehr.(Unsere Rechtsanwälte hoffendlich aber noch lange.) Wir sind doch so schon genug kaputt gemacht worden, warum will uns nun noch das Gesundheitsamt kaputt machen, wenn wir Ansprüche einklagen? Nur um Geld zu sparen? Dabei wirft der Staat soviel Geld zum Fenster hinaus.
Bitte lieber Rechtsstaat, gibt doch mal den waren Betroffenen ihr Recht und quält uns nicht mit diesem Gesundheitsamt noch so doll. Helft uns, gibt einen Rentenzuschuss der uns zu steht, denn wir wollten nicht gedopt werden und vom Hartz 4 oder ähnlichen leben. Wir wollten leben,arbeiten und Kinder kriegen , was einigen vielen von uns nicht mehr möglich ist.
In diesem Sinne: ein schönes Leben noch!
April 18th, 2010 um 19:00
Es würde mich interessieren ob und in welchem Umfang in der ehemaligen DDR im Fussball gedopt wurde. Gibt es eine Quelle wo man statistische Erhebungen einsehen kann oder aber sonstige Infos zu diesem Thema erhalten kann?
September 29th, 2010 um 11:02
In dem Artikel gibt es nach meiner Meinung ein Fehler der sich auch auf die Frage des Anspruchs auf Entschädigung bezieht: Ich habe gewusst, was ich da nehme. Als ich noch unter 18 war, haben meine Eltern ihre Zustimmung zu dieser ‘besonderen Förderung’ gegeben. Ich kann nicht glauben, dass das mal so und mal so geregelt wurde – in der DDR war schließlich alles ‘gleichgeschalten’.
Oktober 10th, 2010 um 23:01
Es ist mehr als traurig, wie menschenverachtend, dass ein Staat, wie auch die DDR einer war, seine Sportler mit derart betrügerischen Mitteln auf eine derart gefährliche Art mißbraucht hat, indem sie mit anabolischen Mitteln förmlich zu einer Art “Weltelite” herangezüchtet wurden, nur um das eigene Ansehen in der Weltöffentlichkeit steigern zu wollen und wissentlich in Kauf zu nehmen, dass dabei Menschen unter lebenslangen, gesundheitlichen Spätfolgen zu leiden haben, wie gerade auch unter der zum Teil stark eingetreteten Vermännlichung bei Frauen, welche mitunter psychische, wie soziale Beeinträchtigung nach sich zieht.
Demnach meine ich, dass den Betroffenen, welche derart beeinträchtigt sind und folglich nicht mehr arbeiten können, eine Erwerbsunfähigkeitsrente zusteht.
Auch sollte über mögliche Versorgungsausgleichsansprüche diskutiert werden, was dennoch differenziert und sorgfältig betrachtet werden sollte.
Eine extra generell, einheitliche Entschädigung aber, wie einige glauben, wird weder das Problem lösen, noch gibt es den Betroffenen ihre Gesundheit und Würde zurück.
November 18th, 2010 um 15:40
also ich bin Schülerin (17) und soll eine Endarbeit in leistungsfach SPORT, über “doping in der DDR” schreiben. jetzt wollte ich mal fragen ob mir jemand helfen kann, kann mir vllt jemand informationen geben oder kennt jemand ein gutes buch oder gute webseiten wo ich infos darüber finden kann?
ich danke im voraus
Januar 3rd, 2011 um 18:01
@ micheal fanny:
hey ich muss was ähnliches wie du machen und habe schon einige informationen gesammelt…
wenn du willst können wir uns austauschen.
meine e-mail:
ricoerhard@web.de
mfg
März 2nd, 2011 um 19:09
[...] Bei den Sportlern und Sportlerinnen handelte es sich in diesem Sinne um Versuchskaninichen. Doping in der DDR | Doping Aktuell (Hervorhebungen von mir.) Die Spitzensportler der DDR waren Opfer des Systems.. [...]
Mai 17th, 2011 um 19:18
Ich möchte die nachricht hier an alle Betroffenen richten, die im Bereich Leichtathletik (Wurfdisziplinen) und Schwimmen aktiv waren.
Ich schreibe zurzeit an meiner Ba-arbeit zu diesem Thema und suche nach Quellen und Zeitzeugen, die mir helfen können, mein Wissen darüber auszuweiten und bereit sind auch etwas von ihren privaten geschichten preis zu geben. ich behandle das Thema mit viel respekt und möchte die problematik so gut es geht aufzuarbeiten.
gruß,
Tina
Mai 27th, 2011 um 21:33
hallo tina, ich habe insgesamt 4 jahre leistungssport schwimmen betrieben. bereits mit 10 jahren gab es nach 10 lagen eine “vitamine” einmal als schlange am trainertisch vorbei, jeder ein griff ins bonbonglas. der trainer hat dann alles in einer liste geführt. ich habe ca. 3 jahre “vitamine”geschluckt. als sich das typische ddr-schwimmerkreuz einstellte, untersagten meine eltern entsetzt den wechsel an die kjs. es gab riesenkrach, die trainerriege war mehrfach bei meinen eltern. damals war ich sauer. heute bin ich meinen eltern sehr dankbar. ich habe unter meinem abkotzenden trainer ca. 1+1/2 jahr abtrainiert und mich ab 14 dem basketball zugewendet, bin ja relativ groß. ich hatte soweit glück. keine nachwirkungen, von einer facialisparese und ein paar inneren verdrehungen mal abgesehen. meine freundin, gleicher werdegang, aber mit wechsel auf kjs hatte nicht soviel glück. nach einer halbseitigen lähmung hat sie heute massiv krebs und ist schwerbeschädigt. ich glaube es haben viel viel mehr kinder und jugendliche anabolika genommen, als bislang bekannt und auch öffentlich ist. alle kennen nur die besten, aber das waren ja nur ein zwei aus einer riege von ca 100, die gepuscht wurden.
der leistungssport hat mir aber eine kondition mitgegen, von der ich heute noch zehre und meine unvergleichliche wasserlage habe ich natürlich auch behalten. ich war noch viele jahre als rettungsschwimmer tätig, daran erinnere ich mich tatsächlich gern. du kannst gern fragen. gruß c.
Oktober 25th, 2011 um 18:12
Wir leben alle in einer perversen Welt,die letztendlich das Lebenslicht ausgeblasen bekommt.Ob staatlich verordnenedes Doping oder letztendlich dem Geldverdienen sankioniertes Pillen-schlucken-alles die selbige Wichse.
Fragt auch Jemand mal danach,wer es auf dem Weg gebracht hat?
Die Amerikaner haben schon in den 60 Jahre diese menschenverachtenden
Perversitäten entwickelt.Darüber wird alles im Dunkeln gehalten.Das sind eigentlich die Drahtzieher jeglicher menschenfeindlicher Handlungen bis in die jüngste Zeit.
Januar 3rd, 2012 um 08:25
hallo liebe tina ,
habe erst heute diese kommentare gelesen und gen kannst du dich bei mir melden, da ich eines der offiziell anerkannten dopingopfer bin durch das buundesverwaltungsamt in köln………
lieben gruss manuela
März 26th, 2012 um 13:50
@manuela,
wäre es möglich, dass du dich mit mir in Verbindung setzen könntest zwecks einiger Infos? Ich bin ebenfalls Dopingopfer, habe in Folge dessen Typ 1 Diabetes. Wurde in der Schule aufgrund meiner Größe zum Leistungssport Schwimmen geworben.
Meine Mail lautet:
anja.reichmann@online.de
April 4th, 2012 um 13:50
Hallo Manuela,
ich bin 16 Jahre alt und bin dabei meine Abschlußarbeit der Realschule (FÜK) zu schreiben. Ich habe das Thema Doping. Dazu gehört auch die Geschichte des Doping und da suche ich noch eine Person, die mir einfach einige Fragen beantwortet , die ich dann als Interview im Referat verwenden kann. Wärst du dazu bereit, gerne auch anonym oder eben nur mit deinem Vornamen . Das wäre toll.
Mit vielen Grüßen Susanne Weiß
April 25th, 2012 um 09:06
Im Artikel steht, dass Birgit Böse kinderlos sei. Das sieht sie selbst ganz anders.
http://www.welt.de/print-wams/article116126/Beharrlich-schmerzen-der-Koerper-und-die-Ungerechtigkeit.html